"Wir spüren einen deutlichen Rückenwind"

Eine schlankere Konzernstruktur sowie ein deutlich verbessertes Ergebnis nach den ersten neun Monaten und ein Vertrauensbeweis des Mehrheitsaktionärs: Logwin hat im laufenden Geschäftsjahr deutlich Fahrt aufgenommen. Über die Gegenwart und Zukunft des Logistikdienstleisters sprach das Logwin Magazin mit CEO Berndt-Michael Winter und CFO Dr. Antonius Wagner.

Logwin CEO Berndt-Michael Winter
Logwin CEO Berndt-Michael Winter

Logwin Magazin: Die weltweite Wirtschaftslage und mit ihr die Logistikkonjunktur erfährt nach dem Krisenjahr 2009 eine deutliche Belebung. Wie entwickelt sich die Logwin-Gruppe in diesem dynamischen Umfeld?
Winter: Wie die meisten Unternehmen wurde auch Logwin im letzten Jahr hart durch die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen. Darauf haben wir konsequent reagiert. Der letzte wesentliche Schritt war die Aufgabe unseres Geschäftsfelds Road + Rail und die Integration ausgewählter Landverkehrsaktivitäten in das Geschäftsfeld Solutions Anfang 2010. Veränderungen waren schon immer ein wesentlicher Teil unserer Unternehmensgeschichte – natürlich nicht als Selbstzweck, sondern als Schlüssel für den Erfolg der Gruppe. Wir waren gut beraten, den nicht immer einfachen Weg der Erneuerung zu gehen.

Auch der Neunmonatsbericht bestätigt unser Bestreben, stärker aus der Krise hervorzugehen als wir Ende 2008 hineingegangen sind. Gegenüber dem Vorjahr haben wir unseren Umsatz um über 22 % auf eine Milliarde Euro gesteigert. Das Ergebnis stieg von 10,2 Millionen Euro auf 19,2 Millionen Euro. Doch nicht nur die Zahlen stimmen uns zuversichtlich. Die Fokussierung auf Solutions und Air + Ocean trägt Früchte und wird die positive Geschäftsentwicklung nachhaltig unterstützen. Wir sind heute ein schlankeres, effizienteres und erfolgreicheres Unternehmen als noch vor einem Jahr.

Logwin Magazin: Erfolgreicher, und gemessen am Umsatz auch deutlich kleiner. Wie positioniert sich Logwin im Markt?
Winter: Unsere Strategie zielt auf organisches Wachstum und auf Profitabilität. Nicht die Fülle an Leistungen zählt, sondern deren Qualität und Passgenauigkeit auf die Anforderungen unserer Kunden. Als „Kleiner unter den Großen“ differenzieren wir uns am Markt und brauchen uns dabei keineswegs zu verstecken. Im Gegenteil. Wir arbeiten fokussiert, wirtschaftlich und immer auf Augenhöhe mit unseren Kunden. Das schätzen vor allem die mittelständisch geprägten Unternehmen an Logwin als ihrem Logistikpartner. Mit Solutions und Air + Ocean stehen wir auf einem starken Fundament. Qualität, Partnerschaft und Flexibilität sind die Eckpfeiler unserer Dienstleistungen. Und mit unseren innovativen und verlässlichen Kundenlösungen werden wir in Zukunft intelligent wachsen.

Logwin CFO Dr. Antonius Wagner
Logwin CFO Dr. Antonius Wagner

Logwin Magazin: „Logwin AG beschließt Kapitalerhöhung“ lautete eine kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung. Darin hieß es, dass neue Aktien unter Ausschuss des Bezugsrechts ausgegeben werden. Genutzt wird das neue Kapital für die Teilrückführung der Anleihe. Können Sie diese Finanzmeldung noch einmal „übersetzen“?
Wagner: Die Satzung der Logwin AG sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, eine Kapitalerhöhung auch unter Ausschluss des Bezugsrechts durchzuführen. Das heißt, vereinfacht gesprochen, dass neu ausgegebene Aktien nicht allen Aktionären angeboten werden müssen, sofern der Ausgabepreis der neuen Aktien nahe beim Börsenkurs liegt. Dieses Verfahren ist schnell und kostensparend.

In unserem Fall wurden die neuen Aktien komplett von der Mehrheitsaktionärin DELTON übernommen. Bei knapp 35 Millionen neuen Aktien und einem Ausgabepreis von 1,15 Euro je Aktie sind unserem Unternehmen also 40 Millionen Euro zugeflossen. Diese 40 Millionen Euro nutzen wir zusammen mit vorhandenen Barmitteln in Höhe von 25 Millionen Euro, um die Hälfte unserer Anleihe Mitte Dezember vorzeitig zurückzuzahlen.

Logwin Magazin: Schwächt die Entnahme von 25 Millionen Euro aus den verfügbaren Barmitteln zur Rückzahlung nicht die eigene Liquiditäts- und Finanzlage?
Wagner: Der Blick in unseren Neunmonatsfinanzbericht zeigt bei den liquiden Mitteln erfreuliche 74 Millionen Euro. Dazu haben die erfolgreichen Veräußerungen der Road + Rail-Aktivitäten ebenso beigetragen wie unser sehr diszipliniertes Forderungsmanagement und unsere sparsame Investitionspolitik. Wir haben uns diese Möglichkeit der vorzeitigen Bondtilgung auch selbst erarbeitet, zumal uns die Rückzahlung erhebliche Vorteile bringt. Durch die Teilrückzahlung der Anleihe wird das Nettoergebnis erheblich entlastet. Bei einer 8-prozentigen Verzinsung der insgesamt 130 Millionen Euro Anleihehöhe müssen jedes Jahr immerhin über 10 Millionen Euro Zinsen gezahlt werden. Diese Zinslast können wir ab 2011 damit um die Hälfte senken.

Einhergehend mit der erfreulichen operativen Entwicklung verbessern wir mit dieser Kapitalmaßnahme auch die Bilanzstruktur der Logwin-Gruppe.

Logwin Magazin: Nun ist es kein Geheimnis, dass Sie beide gleichzeitig CEO bzw. CFO der Logwin AG und auch der DELTON AG sind. War das für Sie eine rechtlich schwierige Situation?
Winter: Auch die Interessen der DELTON AG sind auf das Wohl von Logwin ausgerichtet. Durch die Bereitstellung der 40 Millionen Euro unterstützt uns die DELTON sehr. Im konkreten Fall der Kapitalmaßnahme bestand formal, wie die Juristen sagen, ein sogenannter Interessenkonflikt. Dieser wurde dadurch gelöst, dass Herr Dr. Wagner und ich gemäß der Satzung der Logwin AG im Verwaltungsrat nicht an den Beratungen und Entscheidungen zu dieser Angelegenheit teilgenommen haben. Da der Verwaltungsrat aus fünf Mitgliedern besteht, war dieses Gremium voll entscheidungsfähig.

Als CEO der Logwin-Gruppe kann ich sagen, dass dieser Schritt seitens der DELTON ein klarer Vertrauensbeweis in die weitere Entwicklung unseres Unternehmens ist. Und wir sind zuversichtlich, dass wir die Erwartungen der Mehrheitsaktionärin erfüllen können. Wir profitieren von der fortwährenden Erholung der Weltwirtschaft und der damit einhergehenden Nachfrage nach effizienten Logistikleistungen. Gleichzeitig erhöhen wir in der neuen Konzernstruktur unsere Leistungsfähigkeit und Schlagkraft. Kurz: Wir spüren einen deutlichen Rückenwind.

Logwin Magazin: Ergebnisverbesserungen, eine freundlichere Bilanz, zwei statt drei Geschäftsfelder… Profitieren auch die Kunden von diesen Veränderungen?
Wagner: Nicht nur die Kunden, alle Geschäftspartner und vor allem auch die Mitarbeiter profitieren sehr davon, dass Logwin finanziell stabil ist. Denn niemand möchte letztlich mit einem Unternehmen zusammenarbeiten oder als Mitarbeiter bei einem Unternehmen beschäftigt sein, das immer wieder Verluste schreibt. Das gilt umso mehr für einen Logistikdienstleister, dem ja der Kunde mit der Logistik oftmals langfristig einen wichtigen Geschäftsprozess anvertraut. Insofern waren alle Maßnahmen der vergangenen Jahre, das heißt die Neuorganisation, die ständigen internen wie externen Verbesserungen der Prozesse, das zum Teil harte Working Capital-Management auch darauf ausgerichtet, die finanzielle Stabilität der Gruppe nicht nur zu sichern sondern deutlich zu verbessern. Dieser Prozess der ständigen Verbesserungen wird nie abgeschlossen sein.

Und schließlich wollen wir ja auch wie ein ganz normales Unternehmen unseren Aktionären aus den erwirtschafteten Gewinnen eine Dividende zahlen können.

Die aktuellen Pressemitteilungen
sowie den Neunmonatsfinanzbericht
der Logwin AG finden Sie im News-
Bereich der Logwin Website

Logwin Magazin: Welche operativen Schwerpunkte setzt Logwin strategisch?
Winter: Solutions sieht einen klaren Schwerpunkt in der Retail Logistik. Die Spezialnetze für Fashion und Media werden wir in den kommenden Jahren zu einem Retail-Netzwerk ausbauen. Spannend ist vor allem die Filiallogistik in den Innenstadtlagen und in Einkaufszentren. Hier sehen wir großes Potenzial, den Einzelhandel durch intelligente Logistiklösungen zu entlasten. Im Fokus stehen neben Fashion und Media auch Lifestyle-Produkte wie Kosmetika, Lederwaren oder Geschenkartikel, aber auch Sportartikel, Spielwaren und ähnliche Produkte. Diese Initiative werden wir in Deutschland und Österreich, aber auch in wesentlichen Ländern Osteuropas verfolgen. Vergleichbare Entwicklungspfade gibt es bei Media, aber auch bei unseren Logistikaktivitäten in Industrien wie Automotive, Maschinenbau und Konsumgüter, um nur drei weitere von vielen Beispielen zu nennen.

Air + Ocean wird die internationale Expansionsstrategie konsequent fortsetzen. Nach den Erweiterungen in Europa und Lateinamerika steht vor allem der indische Subkontinent im Fokus. Interessante Märkte sind Sri Lanka, Pakistan und Bangladesh. Und auch die nordafrikanischen Staaten könnten an Bedeutung gewinnen, da die Transportkosten wieder stärker in den Vordergrund rücken. Und es bestehen noch erhebliche Synergiepotenziale zwischen den beiden Geschäftsfeldern. Vor allem die tiefere Verzahnung im Fashionbereich liegt im Interesse unserer Kunden.

Dies alles sind gute Voraussetzungen für den Endspurt 2010 und den Ausblick auf 2011.

Download PDF-Version

Unsere Leistungen für Ihren Erfolg